fiktive Abrechnung Mehrwertsteuer

Im Allgemeinen wissen Autofahrer sehr wenig um ihre Rechte, wenn sie als Geschädigter in einen Verkehrsunfall verwickelt werden. Viele Versicherungsgesellschaften wissen das auszunutzen, indem sie die Kosten, die der Kfz-Gutachter kalkuliert hat, beinahe schon einem Automatismus folgend, streichen. Besonders bei der abstrakten Abrechnung, besser bekannt als fiktive Abrechnung, streichen die Versicherer erheblich. Neben Kosten, die gerne gestrichen werden, ist auch die Umsatzsteuer immer wieder Streitpunkt. Da es aus den letzten 12 Jahren und nach einer grundlegenden Reform der Schadensregulierung im Jahr 2002 zahlreiche widersprüchliche Urteile gibt, wurde die Situation nicht leichter.

So funktioniert die fiktive oder abstrakte Abrechnung

Fiktive oder abstrakte Abrechnung bedeutet, dass sich der Unfallgeschädigte seine entstandenen Unkosten auszahlen lässt, ohne zunächst das Fahrzeug zu reparieren. In der Regel rechnen Gutachter die Schadenskosten auf der Basis der Reparaturkosten durch eine Vertragswerkstatt des betreffenden Fahrzeugherstellers ab. Das schließt nicht nur deren gewöhnlich höhere Stundensätze ein, sondern auch die Preise für die Originalersatzteile. Das ist auch völlig rechtens, solange die kalkulierten Unkosten in einem regional normalen Rahmen liegen. Seit 2002 gab es jedoch einige Einschränkungen bei dieser Abrechnungsform.

Die Mehrwertsteuer ist grundsätzlich nicht erstattungsfähig

So wurde bis dahin die Umsatzsteuer, also die Mehrwertsteuer, ebenfalls erstattet. Das wurde jedoch eingeschränkt. Unter normalen Umständen, also falls das Unfallfahrzeug nicht mehr instand gesetzt wird, ist die gegnerische Versicherungsgesellschaft nicht verpflichtet, die Umsatzsteuer ebenfalls mit auszubezahlen. Allerdings gab es seither auch etliche Gerichtsverhandlungen, in denen die Unfallgeschädigten dennoch auf die Zahlung der Mehrwertsteuer bestanden. Die Urteile lassen zwar grundsätzlich erkennen, unter welchen Umständen zugunsten oder Ungunsten der Kläger entschieden wird, dennoch sollte das in jedem Fall individuell überprüft werden.

Es gibt jedoch durchaus Umstände, unter denen Sie die Zahlung der Mehrwertsteuer einfordern können

Eine gängige Methode bei Geschädigten ist die fiktive Abrechnung nach den Kosten von regionalen Vertragswerkstätten. Anschließend wird das Fahrzeug dann entweder komplett selbst, teilweise oder in einer typfreien Autowerkstatt repariert. Das bedeutet aber, dass auch hier wieder Mehrwertsteuer fällig wird. In sämtlichen Fällen kann der Geschädigte die tatsächlich fällig gewordene Umsatzsteuer von der Versicherung einfordern. Reparieren Sie zum Beispiel Ihr Fahrzeug in Eigenregie, müssen Sie dafür Ersatzteile bestellen und kaufen. Die Rechnungen zu diesen Ersatzteilen können Sie dann bei der gegnerischen Versicherung mit der Bitte um Erstattung der Umsatzsteuer einreichen – selbstverständlich aber nur für solche Autoteile, die tatsächlich für die Reparatur des fiktiv abgerechneten Schadens benötigt wurden.

Sie können jedoch nur die Umsatzsteuer zu teilen und Arbeiten den Unfallschaden betreffend fordern

Kaufen Sie also beispielsweise zusätzlich zu einem reinen Blechschaden noch Wartungsteile wie Filter und Motorenöl, oder wollen noch weitere Schäden beheben, können Sie diese zusätzlichen Ersatzteile selbstverständlich nicht zur Rückerstattung der Mehrwertsteuer einreichen. Bei den tatsächlich zur abgerechneten Instandsetzung benötigten Teilen können Sie jedoch die Mehrwertsteuer geltend machen, vorausgesetzt, Sie haben eine entsprechende Rechnung des Verkäufers vorliegen (Autoteilehandel, Werkstatt, Schrotthändler). Ebenso können Sie Ihr Fahrzeug nach der fiktiven Abrechnung zum Teil Instandsetzen lassen. Zum Beispiel, damit die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs wieder hergestellt wird. Denn ein Unfallfahrzeug so weit zu reparieren, dass es verkehrssicher ist, ist in der Regel weniger umfangreich als eine komplette Instandsetzung des Unfallschadens.

Abrechnung nach Vertragswerkstatt und Reparatur in einer günstigen freien Werkstatt

Auch in diesem Fall können Sie die Reparaturrechnung an die Versicherung weiterleiten, um sich die Umsatzsteuer zu der Reparatur erstatten zu lassen. Allerdings gilt auch hier wieder, dass weitere Reparaturkosten, die in keinem Zusammenhang mit dem abgerechneten Unfallschaden stehen, aber gleichzeitig durchgeführt wurden, nicht mit abgerechnet werden können bzw. die Umsatzsteuer daraus nicht an Sie überwiesen werden kann. Zu guter Letzt stünde dann noch die Unfallreparatur durch eine preisgünstigere Autowerkstatt im Raum. Das ist durchaus normal, denn schließlich wird das Kfz-Gutachten nach den durchschnittlichen Kosten einer Vertragswerkstatt des Herstellers abgerechnet. Dass diese Werkstätten zumeist deutlich kostspieliger als typfreie Werkstätten sind, ist weitläufig bekannt.

Die Mehrwertsteuer von der Rechnung der freien Fachwerkstatt können Sie sich erstatten lassen

Vielleicht hat der eine oder andere Geschädigte Angst, dass er die bereits erhaltene abstrakte Abrechnung zurückzahlen müsste, wenn er sein Fahrzeug zwischenzeitlich deutlich preisgünstiger in einer freien Autowerkstatt instand setzen ließ. Dem ist definitiv nicht so. Selbst wenn Sie laut fiktiver Abrechnung die Reparaturkosten auf dem Niveau einer Vertragswerkstatt erstattet bekommen haben, können Sie Ihr Auto in einer freien Fachwerkstatt instand setzen lassen. Und anschließend die hierbei entstandene Umsatzsteuer bei der gegnerischen Versicherung geltend machen. Dazu müssen Sie lediglich die entsprechende Reparaturrechnung vorlegen. Selbstverständlich gilt aber auch hier, dass weitere, vom eigentlichen Schaden unabhängige Zusatzreparaturen nicht erstattungsfähig sind.

Ihr Gutachter-Service in und um Berlin – wir reichen gerne Rechnungen für Sie ein helfen bei weiteren Fragen weiter

Als Ihr Kfz-Gutachter für Berlin und das Brandenburger Umland können Sie die jeweiligen Rechnungen auch gerne an unser Sachverständigenbüro geben. Wir reichen die Rechnungen dann bei der gegnerischen Versicherung ein, sodass Sie die bezahlte Umsatzsteuer umgehend überwiesen bekommen. Übrigens gibt es noch weitere Gründe, die für eine Umsatzsteuererstattung sprechen, die aber individuell abgewägt werden müssen. Zum Beispiel, wenn Sie sich statt einer Reparatur einen anderen Wagen kaufen. Fällt hier Umsatzsteuer an, können Sie sie unter gewissen Umständen einfordern. Dazu können Sie uns befragen oder einen Fachanwalt aufsuchen, der ebenfalls von der gegnerischen Versicherung zu bezahlen ist.

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