fiktive Abrechnung Totalschaden

Bei der Schadensregulierung von Verkehrsunfällen als Geschädigter haben Sie grundsätzlich die Möglichkeit der tatsächlichen und der sogenannten abstrakten oder fiktiven Schadensabrechnung. Insbesondere im Falle eines Totalschadens kann es zwischen tatsächlicher und fiktiver Abrechnung zu großen Unterschieden in der Entschädigungshöhe kommen. Es lohnt sich also auf jeden Fall, alle Faktoren genau miteinander abzuwägen.

Erst werden bestimmte Daten erhoben, um festzustellen, ob es sich um einen Totalschaden handelt

Zunächst gibt es einige Werte, die der Kfz-Sachverständige für Sie ermitteln muss. Anhand dieser Daten kann dann kalkuliert werden, ob es sich um einen wirtschaftlichen Totalschaden handelt oder nicht. Unter den jeweils individuellen Umständen gilt dann abzuwägen, welche Vorgehensweise, also tatsächliche oder fiktive Abrechnung effizienter erscheint. Zu den Daten, die er erhoben werden, gehören die nachfolgenden Werte:

– Kosten der Fahrzeugreparatur, (brutto und netto)
– Wertminderung, (merkantil)
– Restwert, (der aktuelle Wert des nicht reparierten Fahrzeugs nach dem Unfall)
– Wiederbeschaffungswert, (Höhe der notwendigen Aufwendungen für ein gleichwertiges Fahrzeug)
– Wiederbeschaffungsaufwand, (Höhe der Aufwendungen für ein gleichwertiges Fahrzeug nach Abzug vom Restwert)

Der (wirtschaftliche) Totalschaden und die fiktive Abrechnung

Je nachdem, welche Faktoren über- oder unterschritten werden, kommen unterschiedliche Entschädigungsmodelle zum Tragen. Der wirtschaftliche Totalschaden ist dann gegeben, wenn der Reparaturaufwand höher als der Wiederbeschaffungsaufwand ist, also der Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwerts. In diesem Fall bekommt der Geschädigte bei einer fiktiven Abrechnung auf jeden Fall den Wiederbeschaffungsaufwand ersetzt.

Die 130-Prozent-Regelung: nicht immer ist eine fiktive Abrechnung tatsächlich sinnvoll

Nun kommt aber noch die sogenannte 130-Prozent-Regelung hinzu. Die besagt, dass ein Fahrzeug auch dann reparaturwürdig ist, wenn der Reparaturaufwand 30 Prozent über dem Wiederbeschaffungswert, also 100 Prozent, liegt. Dabei muss nach aktuellen Gerichtsurteilen aber nicht vollständig repariert werden. Auch eine Teilreparatur, die mindestens die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs herstellt, ist von der 130-Prozent-Regel gedeckelt. Diese Situation kann konkret zur Folge haben, dass eine Teilreparatur der rein fiktiven Abrechnung, die ja den Wiederbeschaffungsaufwand nicht überschreiten kann, vorzuziehen ist.

Die 130 Prozent beziehen sich nicht nur auf Neuteile und eine Vertragswerkstatt des Herstellers

Übrigens kann es auch sein, dass die vollständige Reparatur trotz eines zunächst einmal Überschreitens der 130 Prozent möglich ist. Das ist dann der Fall, wenn Sie die Reparatur des Autos mit gebrauchten Teilen fachgerecht durchführen lassen, die ja deutlich preiswerter als Neuteile sind. Gelangen Sie durch die Verwendung gebrauchter Ersatzteile wieder in den Bereich der 130 Prozent, kann also die tatsächliche Abrechnung ebenfalls der fiktiven Abrechnung vorzuziehen sein.

Dazu gibt es ein entsprechendes Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) München (AZ: 10 U 3258/08, Urteil vom 13. November 2009). Ebenso können Sie eine Reparatur durchführen lassen und die 130-Prozent-Regelung gegenüber dem Wiederbeschaffungsaufwand aus der abstrakten Abrechnung vorziehen, wenn Sie mit der instand setzenden Werkstatt einen Pauschalpreis vereinbaren konnten, der innerhalb der 130 Prozent liegt. Dazu gibt es ein Urteil des Landgerichts (LG) Aurich mit Aktenzeichen 1 S 206/11 mit Urteil vom 17. Februar 2012.

Die Mehrwertsteuer bei der fiktiven Abrechnung eines Totalschadens

Die neuen Regelungen zur Mehrwertsteuer bleiben übrigens weiterhin unberührt bei der fiktiven Abrechnung. So ist die Umsatzsteuer auch im Falle eines wirtschaftlichen Totalschadens nicht erstattungsfähig. Allerdings greift auch hier wieder die Ausnahme, dass Sie die Umsatzsteuer in dem Umfang erstattet bekommen, wie Sie sie für ein Ersatzfahrzeug zu zahlen haben. Dazu muss die Mehrwertsteuer aber tatsächlich ausweisbar sein, was insbesondere bei privaten Käufern schwierig wird. Können Sie die Umsatzsteuer geltend machen, wird die tatsächlich fällig gewordene Mehrwertsteuer bis zur Höhe des bei der fiktiven Abrechnung ausbezahlten Wiederbeschaffungswerts zugesprochen.

Ein erfahrener und sachkundiger Gutachter hilft Ihnen weiter

Sie sehen also, es ist durchaus ein großer Unterschied, ob Sie ein Unfallfahrzeug tatsächlich reparieren lassen oder fiktiv abrechnen. Insbesondere bei einem klassischen Fahrzeug, also einem Oldtimer, kann die Reparatur schnell der fiktiven Abrechnung vorzuziehen sein, denn in solchen besonderen Fällen kann sogar noch einmal ein Aufschlag auf die 130 Prozent gewährleistungsfähig sein.

Das hängt aber stark von den individuellen Umständen ab. Wir empfehlen Ihnen unbedingt, alles mit einem Kfz-Gutachterbüro zu besprechen und durchzurechnen. Natürlich kommt gerade bei einem wirtschaftlichen Totalschaden auch die Frage hinzu, ob Sie das Fahrzeug denn überhaupt weiter fahren möchten oder eher nicht. Für viele Fahrzeughalter besitzt ihr Auto aber einen gewissen imaginären Wert, der es unbezahlbar macht.

Unsere umfassenden Leistungen für Sie in und um Berlin

Neben einem Kfz-Gutachter, der nur Ihnen gegenüber verpflichtet ist (also keine Aufträge der Versicherungswirtschaft annimmt), ist auch die Beauftragung eines Fachanwalts für Verkehrsrecht empfehlenswert. In und um Berlin können Sie gerne unser Gutachterbüro aufsuchen. Zunächst erfüllen wir die grundsätzlichen Voraussetzungen, nämlich dass wir ausschließlich Ihnen gegenüber verpflichtet sind, da wir nicht für Versicherungsgesellschaften tätig sind. Darüber können wir Ihnen kompetente und erfolgreiche Anwälte für Verkehrsrecht empfehlen. Abgerundet werden unsere zusätzlichen Dienstleistungen auch durch den Kontakt zu freien Fachwerkstätten, die nach höchsten Qualitätsmaßstäben und in einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis arbeiten und auch Premiumfahrzeuge auf höchstem Niveau reparieren – auch klassische Veteranen.

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